Europa darf sich nicht fressen lassen
Grönland soll Teil der USA werden – so stellt es sich US-Präsident Trump vor. Marie-Agnes Strack-Zimmermann stellt klar: Europa ist nicht zahnlos. Wer souverän bleiben will, muss Haltung zeigen, Dänemark den Rücken stärken und endlich europäische Stärke entwickeln.
Nach erneuten Drohungen aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump Richtung Dänemark fordert die FDP-Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann ein klares und geschlossenes Auftreten Europas. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europäischen Parlament macht im Interview mit WELT TV deutlich, dass Europa sich nicht einschüchtern lassen darf und „beinhart an der Seite Dänemarks stehen“ muss.
Angesichts der Aussagen aus der Trump-Administration zu Grönland warnt Strack-Zimmermann davor, diese Drohungen zu verhamlosen. „Bei diesem erratischen Präsidenten muss man leider alles sehr ernst nehmen“, sagt sie. Es wäre fatal, anzunehmen, dass sich aggressive Rhetorik von selbst erledige. Gerade weil die USA eine Schlüsselrolle in der NATO spielten, seien solche Äußerungen hochgefährlich. Sollte ein NATO-Mitglied ein anderes angreifen, wäre das „der Beginn vom Ende der NATO“.
Europa ist nicht zahnlos
Den Eindruck, Europa sei im Ernstfall machtlos, weist Strack-Zimmermann dabei entschieden zurück. „So zahnlos sind wir natürlich nicht“, betont sie. Die Europäische Union bestehe aus 27 Staaten und verfüge über erhebliches politisches und wirtschaftliches Gewicht. Zwar seien die Vereinigten Staaten eine militärische Supermacht, doch auch sie seien strategisch gebunden und auf Europa angewiesen.
Grönland selbst eigne sich zudem nicht für einfache Machtspiele. Die Insel sei riesig, zu großen Teilen von Eis bedeckt und militärisch extrem schwer kontrollierbar. „Das ist kein Land, wo man sich mal eben breitmacht“, stellt Strack-Zimmermann klar. Dass überhaupt über Annexionen oder den „Kauf“ von Territorien gesprochen werde, sei jedoch eine ernsthafte Herausforderung für die internationale Ordnung.
Grönland gehört zu Dänemark - Punkt
Für Strack-Zimmermann ist die Lage eindeutig: „Grönland gehört den Grönländern und ist Teil des Königreichs Dänemark.“ Dafür brauche es keine neuen Pläne und keine Machtfantasien. Sicherheitsfragen im Nordatlantik seien Sache der NATO und nicht einzelner Staaten. Der Klimawandel verändere zwar die geopolitische Lage, etwa durch neue Schiffahrtsrouten, doch daraus lasse sich kein Anspruch auf fremdes Territorium ableiten.
Entscheidend sei jetzt ein geschlossenes europäisches Signal. Diplomatie allein reiche nicht aus. Europa müsse klar machen, dass es Grenzverschiebungen, Drohungen und Einschüchterungsversuche nicht akzeptiere. „Diese Grätsche, bloß Trump nicht zu verärgern und sich gleichzeitig alles gefallen zu lassen, wird uns auf Dauer zerreißen“, warnt Strack-Zimmermann.
Europa muss am Tisch sitzen
Der Konflikt um Grönland sei mehr als eine territoriale Frage. Er berühre die grundsätzliche Rolle Europas in der Welt. „Wenn wir als Europa überleben wollen, müssen wir am Tisch sitzen“, unterstreicht Strack-Zimmermann. Andernfalls drohe Europa zum Objekt fremder Interessen zu werden. „Sonst werden wir Teil der Speisekarte.“
Am Tisch sitzen könne Europa aber nur, wenn es wirtschaftlich und militärisch stark sei. Beides gehöre untrennbar zusammen. Deshalb forderte Strack-Zimmermann ein entschlossenes Vorgehen der EU-Kommission: Europa müsse seine wirtschaftlichen Potenziale „blitzschnell entfesseln“. Nur so könne die Europäische Union selbstbewusst auftreten und ihre Interessen verteidigen.
Klare Haltung statt Zaudern
Positiv bewertet Strack-Zimmermann, dass viele europäische Staaten inzwischen klar Stellung bezogen und Dänemark ihre Unterstützung zugesichert hätten. Kritik äußert sie jedoch an zögerlichen Reaktionen einzelner Regierungschefs. Komplexität dürfe keine Ausrede sein, sich nicht zu positionieren. „Irgendwann muss man auch mal klar Stellung beziehen“, so Strack-Zimmermann.
Für die FDP-Politikerin ist die Debatte ein Weckruf. Europa habe begonnen, enger zusammenzuarbeiten wie nie zuvor. Doch das reiche nicht aus. Jetzt brauche es Mut, Klarheit und Entschlossenheit. Denn die Botschaft sei eindeutig. Europas Sicherheit, Souveränität und Glaubwürdigkeit stehen auf dem Spiel.
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